Schweizerischer Klub der Beauceron-Freunde

Fellfarben beim Beauceron

Zu Beginn der standardmässigen Zucht wurden bei Beauceron mehr Fellfarben anerkannt als heute. Der 1896 verfasste Standard nennt folgende Farben:

  • Schwarz
  • Schwarz mit Brand
  • rot (braun)
  • Fauve
  • Fauve charboniert
  • Grau
  • Grau mit schwarzen Flecken

Nach und nach wurden die ursprünglichen Farben aus dem Standard gestrichen, so dass bei  der Standardüberarbeitung 1955 nur noch die beiden heute anerkannten Fellfarben (bas rouge und arlequin) übrig blieben. (Vgl. Janes/Steccanella, Französische Schäferhunde, S. 15 f.)

 

Beauceronwelpe - Harlekin mit brauner, statt schwarzer Grundfarbe Ab und zu werden jedoch Beaucerons geboren, deren Farben nicht dem heute gültigen Standard entsprechen. Schnell wird dann der Verdacht geäussert, dass da wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Da sei doch vielleicht auch Nachbars Waldi zum Zuge gekommen. Durchaus möglich, aber nicht zwingend richtig.

 

 

Harlekin-Welpe, publiziert Juli 2014 im Facebook von Dorine de Munnik

 Beauceronwelpe mit Fehlfarbe, zusammen mit seinen korrekt gefärbten Geschwistern

 

Etwas Genetik

Die Chromosomen werden je zur Hälfte von Vater und Mutter vererbt. Deshalb sind sie doppelt vorhanden. Für jede geschlechtsunabhängige Eigenschaft  wird je eine Genkopie vom  Vater und eine von der Mutter beigesteuert.

Sind die Eigenschaften vom Vater und von der Mutter gleich, dann ist der Hund homozygot (reinerbig) in Bezug auf das entsprechende Merkmal. Sind sie unterschiedlich sind, dann ist der Hund heterozygot (gemischt erbig) auf das Merkmal.  Prinzipiell ist immer nur eine dieser Kopien "aktiv".  


Beispiel:

Ein schwarzer Hund, der das Genpaar „B/B“ (B=black) trägt ist homozygot in Bezug auf die schwarze Farbe.

Ein brauner Hund mit dem Genpaar „b/b“ ist homozygot in Bezug auf die braune Farbe.

Ein schwarzer Hund, der das Genpaar „B/b“ trägt ist heterozygot in Bezug auf die schwarze Fellfarbe. Er ist schwarz, trägt aber versteckt das Allel für die braune Fellfarbe. Man weiss, dass bei der  Vererbung der Fellfarbe „Schwarz“ gegenüber „Braun“ dominant ist.

 

Beim Beauceron ist es im Prinzip das Selbe

Beim allen black and tan gefärbten Hunden, also auch beim Beauceron, wirkt ein Allel der Aguti-Serie „at“. Solche Hunde haben meist das Genpaar „at / at“.  

Die Aguti-Serie hat vier Allele

  • Ay: (y steht für "Yellow") Sable (Zobel, Rot, Braun)  
  • aw: (w steht für "wild color"**) Agouti (Wildfarbe, Grau)  
  • at: (t steht für "Tan") Black and Tan (Schwarz-Marken)  
  •  a: Schwarz

Da es beim Beauceron, wie oben genannt, auch braune Hunde gegeben hat, hatten diese das Genpaar „ay / ay". Sie waren braun mit Brand. Wurden diese braunen Beaucerons mit reinerbig schwarz-roten verpaart, so waren die Nachkommen zwar schwarz-rot, aber mischerbig (heterozygot). Ihre Genformel war also "at/ay". Werden nun zwei heterozygote schwarz-rote Beaucerons  verpaart, werden 25% Nachkommen braun-rote Beaucerons sein (Genpaar „ay / ay“).

 

Prozentuale Aufteilung der Nachkommen von heterozygoten Elterntiere

(50% der Nachkommen sind heterozygot, also mischerbig und je 25% sind reinerbig für "at" oder "ay".)

Die gleiche Gesetzmässigkeit gilt natürlich auch bei den Harlekins. Bei diesen kommt zusätzlich einfach noch das Merle-Gen ins Spiel.

Das kommt häufiger vor als bekannt, weil nicht wenige Züchter solche Welpen gleich nach der Geburt getötet haben, weil sie befürchteten, dass sie oder ihre Zuchthunde deswegen sanktioniert werden.

Dass ab und zu Beauceron-Welpen geboren werden, deren Farbe vom Standard nicht mehr anerkannt werden, zeigt dass die "unerwünschten" Farben noch nicht "ausgemendelt" wurden und im Genpool als rezessive Merkmale immer noch vorhanden sind.