Schweizerischer Klub der Beauceron-Freunde

Inzuchtgespenst

Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?

Wie der Teufel das Weihwasser, sei Inzucht von Züchtern zu meiden. Denn durch Inzucht wird die genetische Varianz verringert, was unweigerlich zu Fitnessverlust und genetisch bedingten Schädigungen führen würde.

Deshalb werde ein seriöser Züchter auf keinen Fall Inzuchtverpaarungen vornehmen.

Zeitgeist statt Wissen

Solche Ansichten huldigen unreflektiert dem heutigen  Zeitgeist. Sie verkennen, dass wir weder eine Hunderasse noch eine Nutztierrasse hätten, wenn bei der Zucht Inzucht vermieden worden wäre.

Inzucht ist nicht die Ursache für Gendefekte, sie kann diese im schlechtesten Falle sichtbar machen, wenn die Elterntiere die genetische Disposition dafür haben.

Ungewollte Inzucht - geplante Inzucht

Bei der Inzucht ist auch zu unterscheiden zwischen der gewollten (geplanten) und der ungewollten Inzucht. Alle unsere Hunderassen gehen auf relativ wenige Tiere zurück. Mit einer kleinen Gründergeneration wurde jede Hunderasse geformt. Bei den meisten Hunderassen haben die zwei Weltkriege  die Population nochmals reduziert. Die Züchter haben in den Zwischen- und Nachkriegsjahren die Rassepopulation aus relativ wenigen Tieren wieder aufgebaut.  Beim Beauceron wurden in Frankreich noch in den 1970er Jahren nur um die 300 Welpen pro Jahr gezüchtet. Also durchschnittlich etwa 50 Würfe pro Jahr. Erst in den 1980er Jahren stieg die Anzahl der gezüchteten Welpen auf über 3000 pro Jahr (Durchschnittlich 500 Würfe pro Jahr). Obwohl ab da die Population viel grösser wurde (Steigerung von 1000%), ist der Genpool nicht um so viel gewachsen. Das kann er nicht, weil die Tiere miteinander verwandt waren. Diese Steigerung der Populationsgrösse hatte in den Folgejahren unweigerlich einen ungewollten Inzuchtanstieg pro Generation zur Folge. Und zwar auch bei sogenannten Fremdverpaarungen (Verpaarungen von Hunden die nicht miteinander verwandt sind). Der Grund dafür ist die kleine Ursprungspopulation.

Ungewollter Inzuchtanstieg ist der Anfang vom Ende

Es gibt Hunderassen, bei denen ist der ungewollte Inzuchtanstieg in jeder Folgegeneration um die 3% (und mehr). Diese ungewollte, nicht zielgerichtete Inzucht ist für jede betroffene Hunderasse dramatisch, denn sie führt über kurz oder lang unweigerlich zum Niedergang der Hunderasse.

Wirkungsvolle Zuchtmethode

Bei der gewollten, zielgerichteten Inzucht, bei der auch konsequent selektioniert wird, entstehen diese Probleme nicht. Im Gegenteil, der Züchter erhält Tiere, die in Bezug auf die selektionierten Merkmale relativ gute Vererber sein werden. Und was die meisten Kritiker der Inzucht (oder Anhänger des heutigen Zeitgeistes) nicht bedenken ist, dass mit einer Fremdpaarung der Inzuchtkoeffizient der Folgegeneration in etwa wieder dem Durchschnitt der Rasse entspricht.

Es ist daher falsch und zeugt von mangelndem züchterischen Wissen, Inzucht generell zu verteufeln.

Wer es genauer wissen möchte, dem sei das immer noch lesenswerte Kapitel über die Inzucht des Buch es „Brevier neuzeitlicher Hundezucht“ von Hans Räber zur Lektüre empfohlen.