Schweizerischer Klub der Beauceron-Freunde

Blue-Merle-Zucht beim Beauceron

Warum Züchter die Harlekin Färbung meiden sollten

Der Vorschlag des BLV  zur Tierschutzverordnung (die Anhörung endete am 28. Juli 2014), zeigt wie ernst die Situation für die Harlekin-Zucht ist.

Der SKBF hat auf das Risiko der Merlezucht reagiert. Zuchttiere müssen nun auf das Cryptic-Merle-Gen getestet werden. Merle-Hunde (Harlekins) werden zudem auf Gehör- und Ohrendefekte untersucht.

Es geht im Folgenden nicht darum, ob man die Farbe Harlekin (Merle) schön oder nicht schön findet. Sondern um das erhebliche gesundheitliche Risiko, das die Merlezucht für die Hunderasse Beauceron bedeutet. Und das sollte weder ein Züchter noch ein Käufer ignorieren.

Die Merle-Scheckung, die im Welpen- und Jungendalter meistens sehr stark ausgeprägt ist, verschwindet bei vielen erwachsenen Beaucerons vollständig.  So züchtet man eine mit erheblichen gesundheitlichen Risiken gekoppelte Farbe, die nur im Jugendalter der Hunde die erwünschte Ausprägung zeigt.

Der bekannte Genetiker Dr. Malcolm B. Willis warnte bereits 2005 die Züchter vor der „plötzlich“ auftauchenden Merlefärbung bei Chihuahua’s: (Zitat aus Merle Chihuahuas- time to call a halt - Original in englisch)

„Falls einige von Ihnen das Gefühl haben, dass weitere Farben schön wären, ist es wichtig, darauf hinzuweisen , dass die Merle-Scheckung durch ein gefährliches Gen hervorgerufen wird.  Hunde mit homozygotem Merle (MM ) sind in der Regel weiss und haben sehr oft Beeinträchtigungen im Hör-und Sehvermögen. Aus diesem Grund anerkennen einige Kennel Clubs die Merleschekung nicht. Viele andere  Kennel Clubs und Züchter verbieten die Verpaarung Merle x Merle.

Die Verpaarung Merle x Merle (Mm x Mm) würde im Durchschnitt 25% MM, 50 % Mm und 25% mm hervorbringen. Und natürlich gäbe es bei den  25 % homozygoten Merles  (MM) ernsthafte Probleme.


Die landläufige Meinung ist, dass heterozygote Merles (Mm) ganz normal sind.

Doch vor 30 Jahren zeigten Untersuchungen, dass auch Merle-Hunde geschädigt sind:

  • Augenprobleme bei Merle-Dackel ( Wegner und Reetz, 1975 Dausch et al , 1977)
  • geschädigte Spermien ( Treu et al , 1976)
  • Beeinträchtigungen des Gehörs ( Reetz et al , 1977)

Diese Probleme wurden bei homozygoten Merles (MM) aber auch bei heterozygoten Merles (Mn) festgestellt.  Die Schäden am Gehör  zeigten sich von leichter Schwerhörigkeit bis zur kompletten Taubheit und traten bei 54,6% der homozygoten Merles und 36,8% der heterozygoten Merles auf. Basierend auf diesen Untersuchungen und ihre eigenen Untersuchungen auf Schädigungen der Augen, schlugen die Wissenschaftler vor (Klinckmann et al (1986)), die Zucht von Merles einzuschränken.“ (Zitat-Ende)

 

Es ist noch viel komplizierter

Vor wenigen Jahren durfte ein Züchter davon ausgehen, dass der Erbgang relativ einfach ist und dass es nur drei Genotypen gibt, nämlich:

  • mm = normal gefärbt
  • Mm = erwünschte Harlekin-Scheckung (Merle)
  • MM = reinerbig Merle (unerwünscht doch durch richtige Verpaarung leicht zu vermeiden)

Heute weiss man, dass noch weitere Genotypen möglich sind:

  • mm = Das Tier ist reinerbig für das Wildtypallel. Die Anlage für die Merlefarbe liegt nicht vor. Das Tier hat die Fellfarbe: Non-Merle
  • Mm = Das Tier ist mischerbiger Träger des für die Merle-Färbung verantwortlichen, defekten Gens und des Normalgens. Die Anlage für die Fellfarbe Merle wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an die Nachkommen vererbt. Das Tier selbst hat die Fellfarbe: Merle
  • MM = Das Tier ist reinerbiger Träger des für die Merle-Färbung verantwortlichen, defekten Gens. Die Anlage für die Fellfarbe Merle wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% an die Nachkommen vererbt. Das Tier selbst hat die Fellfarbe: Double-Merle
  • M(c)m = Das Tier ist mischerbiger Träger des „kryptischen“ Merle-Gens und des Normalgens. Das „kryptische" Merle-Gen  wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an die Nachkommen vererbt. Das Tier selbst hat die Fellfarbe: Non-Merle (heterozygot „kryptisches“ Merle)
  • M(c)M(c) = Das Tier ist reinerbig für das „kryptische“ Merle-Gen. Das „kryptische" Merle-Gen  wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% an die Nachkommen vererbt. Das Tier selbst hat die Fellfarbe: Non-Merle (homozygot „kryptisches“ Merle)
  • m(c)m = Das Tier ist mischerbiger Träger des „kryptischen“ Merle-Gens und des für die Merle-Färbung verantwortliche Merle-Defektgens. Das Merle-Defektgen und das „kryptische“ Merle-Gen  wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an die Nachkommen vererbt. Das Tier selbst hat die Fellfarbe: Merle (heterozygot „kryptisches“ Merle)

(Wer es im Original nachlesen möchte, kann hier die Studie herunterladen)

(Was das kryptische Merle anrichten kann, wird am Beispiel eines Cardigan Welpens deutlich)

War schon beim heute überholten Wissensstand Harlekin-Zucht problematisch, da man im Durchschnitt mit knapp 38% geschädigter Harlekins rechnen musste, ist es nach neustem Wissenstand  unverantwortlich und tierschutzrelevant Harlekins zu züchten.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was denn daran tierschutzrelevant sein soll, wenn man eine Farbe züchtet, die es schon so lange gibt?

Für den Beauceron ist als erstes festzuhalten, dass die Harlekin-Färbung noch nicht so alt ist, wie man gerne glauben möchte. Sie wurde in den 70er Jahren durch den "papierlosen" Rüden Sam in die Zuchtpopulation gebracht. Zuvor war dieser Farbschlag zumindest seit Jahrzehnten aus der Beauceronpopulation verschwunden gewesen.

Wichtiger aber ist, dass wir durch das Tierschutzgesetz verpflichtet sind, Zuchtmethoden zu unterlassen, die bei Elterntieren oder Nachkommen durch das Zuchtziel bedingte Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen verursachen. (TSchG Art. 10).

Die nun laufende Anhörung zur neuen Tierschutzverordnung wird geradezu ein Verbot der Merlezucht bringen.

Weiterführende Literatur in der Rubrik "Züchter-Weiterbildung", bei Merle-Färbung